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Korbflechter WM in Polen

Mitarbeiter David Gutmann beherrscht die Technik des Wiener Geflechtes meisterlich. Im September misst er sich Weltmeisterschaft in Polen mit Flechthandwerkern aus anderen Nationen.

© Text und Fotos Dieter Holzer NÖN

Auf dem Weg zur Weltmeisterschaft

David Gutmann ist kein Fußballer. Er ist trotzdem in diesem Jahr Teilnehmer bei der Weltmeisterschaft, allerdings jener der Flechthandwerker vom 04. - 06. September in Nowy Tomysl (Polen).

David arbeitet seit 11 Jahren in den Klosterschulwerkstätten in Schönbach. Er ist fast ausschließlich damit beschäftigt, das schwierige und aufwendige „Wiener Geflecht“ an Thonet-Stühlen einzuarbeiten. 8 bis 12 Stunden großer Handwerkskunst werden benötigt, um eine Sitzfläche wieder in den ursprünglichen, nun renovierten Zustand herzustellen. Schon von Anfang an wurde für diese Arbeit Peddigrohr, auch Rattan genannt, verwendet.

Die Kunst des Wiener Geflechts: Handwerk im Detail

Es wird aus dem Stamm einer Palme gewonnen und kommt hauptsächlich aus Indonesien sowie anderen Ländern Südostasiens. Das Material ist reißfest, gleichmäßig und harzfrei. Die 4-5 Meter langen Fahnen arbeitet David Gutmann in sechs Lagen zum Wiener Geflecht ein. Von der Mitte aus wird zuerst eine Längsbahn, danach eine Querbahn und dann nach einem festgelegten System weitere Bahnen eingebracht. David Gutmann muss dabei die Sitzflächen an jedem Sessel individuell gestalten.

Thonet-Stühle werden in Schönbach wiederbelebt

Thonet hat eine Vielzahl von Sesseln und Einrichtungsgegenständen gestaltet, die in einem Werksverzeichnis aufgelistet sind, das in den Klosterschulwerkstätten in Schönbach vorhanden ist und als eine der Grundlagen der Arbeiten verwendet wird. Michael Thonet hat Anfang des 19. Jahrhunderts die Technik der Bugholzmöbel entwickelt. Er hat von Wien aus damit große Erfolge gefeiert. Mit der Aufbereitung dieser zahlreichen Sessel und Stühle ist nun David Gutmann beschäftigt.

Die Flechtkunst-WM in Polen mit 160 Teilnehmern

Seine große Fertigkeit in dieser Handwerkskunst führt ihn nun zur Weltmeisterschaft nach Nowy Tomysl in Polen. Die im Osten des Landes gelegene Bezirksstadt ist ein Zentrum der Flechtkunst. Im Rahmen des 6. Weltfestivals des Korbflechtens und Webens unter dem Motto „Zurück zu den Wurzeln“ finden hier in diesem Jahr die Weltmeisterschaften statt. 160 Teilnehmer aus 80 Nationen und allen 5 Kontinenten werden im September erwartet. Fünf Kategorien werden dabei ausgetragen und bewertet.

Unterstützerbusreise für Waldviertler Teilnehmer organisiert

David Gutmann wird die Reise nach Polen aber nicht allein antreten müssen. Ein weiterer Teilnehmer aus dem Waldviertel ist Gerhard Witzmann, ein Korbflechter aus Timling bei Waidhofen/Thaya. Dieser wird in einer anderen Kategorie starten. Mehrere Kollegen aus Österreich und interessierte Besucher von Flechtkursen, also rund 50 Personen werden mit einem Bus nach Nowy Tomysl reisen und unsere WM-Teilnehmer unterstützen. Die Fans können auch die zahlreichen Angebote des Rahmenprogramms nutzen.

Faszination Handwerk: Wiener Geflecht als Schwerpunkt

David Gutmann ist es ja gewöhnt, dass ihm bei seiner Arbeit in den Klosterschulwerkstätten interessierte Besucher zuschauen. Dabei muss er immer wieder verschiedenste Fragen in Bezug auf seine Handwerkskunst und die verwendeten Materialien beantworten. Neben Sessel, Stühlen, Bänken und anderen Einrichtungsgegenständen von Thonet werden Produkte anderer Hersteller, vor allem Altdeutsche Sessel von ihm mit dem Wiener Geflecht versehen.

Kunstvolle Restaurierung alter Sitzmöbel gelingt

In den Räumen des ehemaligen Klosters in Schönbach sind in einer Ausstellung zahlreiche unterschiedlichste Exemplare der Arbeiten von David zu besichtigen. Manche kommen in einem erbärmlichen Zustand zur Renovierung. Erst nach einer gründlichen und genauen Überarbeitung der Holzstruktur durch einen Tischler kann mit dem Einbau des Geflechts auf der Sitzfläche begonnen werden. Es ist eine Arbeit, bei der neben handwerklichem Können die Erfahrung eine große Rolle spielt.

Erfolgreiche Weideflechtkurse im Kloster Schönbach

Wie Franz Höfer, der Leiter der Klosterschulwerkstätten in Schönbach berichtete, versuchte er mit mäßigem Erfolg die Ausbildung zum Erlernen des Wiener Geflechts anzubieten. „Einige Übungseinheiten und eine gewisse Praxis sind notwendig, um ein Sitzgeflecht selbstständig herzustellen“, meinte er. Sehr gut und mit großem Erfolg werden seit vielen Jahren die Seminare und Kurse zum Erlernen des Weideflechtens angenommen. Produkte aus Weide stellen den Hauptbestandteil des Angebots im Kloster dar.

Außergewöhnliche Flechtkunstwerke im Korbgarten entdecken

Bei einem Gang durch die Ausstellung können erstaunte Besucher feststellen, wie viele handgeflochtene Körbe aller Art und für die verschiedensten Gelegenheiten hier zu sehen sind. Viele außergewöhnliche Gegenstände wurden in Schönbach bereits aus Weidenzweigen geflochten. Derzeit ist die Riesenmohnkapsel vom Mohndorf Armschlag in der Werkstatt zur Renovierung. Eine mehrere Meter hohe, mit Weide geflochtene Riesenkrake kann im Moment im Korbgarten vor dem Kloster besichtigt werden.

Heimisches Handwerk auf internationaler Bühne

„Vor 11 Jahren hat mir eine Kollegin das Wiener Geflecht beigebracht, heute kann ich es fast im Schlaf ausführen“, meinte David Gutmann. Einiges an Vorbereitung wird dennoch notwendig sein, um beim internationalen Wettbewerb in Polen bestehen zu können.

 

Text und Fotos: Dieter Holzer / NÖN

 

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3633 Schönbach 2
02827/20777

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0664/15 46 470
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